Jul 29 2021

Der Atlas Heinrichs VIII: Hintergrundwissen zum Faksimile des Atlas von Battista Agnese

Aktuell bietet WK Wertkontor aus Gütersloh die Reproduktion des Atlas von Heinrich VIII. an. Hält man das Faksimile in der Hand, spürt man noch die Imposanz, die von dem opulent geschmückten Original ausgeht. Doch warum übt diese Sammlung veralteter Karten auch heute noch so eine Faszination aus? Erfahren Sie hier die Hintergründe zu dem herausragenden Werk des Kartenmachers Battista Agnese.

Atlanten von Battista Agnese

Der Kartenmacher Battista Agnese wurde 1514 in Genua geboren, arbeitete aber zeit seines Lebens als Kartograf in Venedig. Seine Werke erfreuten sich großer Beliebtheit. Dies ist bereits daran zu erkennen, dass der englische König Heinrich VIII. 1542 seinen Atlas bei Battista Agnese in Venedig in Auftrag gab. Battista Agnese fertigte Atlanten für Herrscher in ganz Europa an. Neben dem Atlas, den das Faksimile von WK Wertkontor reproduziert, sind etwa 70 weitere Werke des Kartografen aus Venedig heute noch erhalten.

Der Atlas, den Battista Agnese für den englischen König Heinrich VIII. erschaffen hat, enthält unter anderem eine Karte der gesamten damals bekannten Welt. Auffällig ist, dass die dem Kartografen bekannten Teile der Erde deutlich genauer beschriftet wurden als die ihm unbekannten Orte. So ist Schottland beispielsweise ein nahezu weißer Fleck, obwohl Heinrich VIII. genau in den Jahren der Entstehung des Atlanten gerade Krieg gegen Schottland führte. Auch Darstellungen, welche die Erde an ihrem Platz im Universum oder verschiedene Tierkreiszeichen zeigen, kann man in dem Atlas finden. Ebenfalls im Faksimile von WK Wertkontor enthalten ist eine funktionierende Kompassrose, die in das Holz des hinteren Deckels eingelassen ist.

Heinrich VIII., der erste humanistische König von England

Heinrich VIII. gilt heute noch als Prototyp eines Renaissance-Herrschers. Er war der erste englische König, der eine humanistische Ausbildung genoss und war dementsprechend weltgewandt. Er beherrschte neben seiner Muttersprache Englisch ebenfalls Französisch, Latein, Italienisch und Grundzüge des Spanischen, welches er von seiner ersten Frau Katharina von Aragon erlernte. Ebenso galt er als Kunstkenner, war musikalisch und interessiert an Medizin und Astronomie. Heinrich VIII. war insgesamt in seiner Bildung dem humanistischen Ideal entsprechend breit aufgestellt.

Dem Laien hingegen ist Heinrich VIII. heutzutage vor allem aufgrund seiner vielen Ehefrauen bekannt. Insgesamt sechs Mal heiratete Heinrich VIII. in seinem Leben. Besonders markant ist seine Scheidung von seiner ersten Frau, Katharina von Aragon, im Zuge derer Heinrich VIII. die anglikanische Kirche gründete. Aber auch die Hinrichtungen seiner zweiten Frau Anne Bolyn ist heute noch im allgemeinen Gedächtnis. So erscheint Heinrich VIII. Vielen als ein unberechenbarer Tyrann, obwohl er zu Lebzeiten von seinem Volk sehr geschätzt wurde.

Faksimile von WK Wertkontor – ein Stück Geschichte der Royal Navy

Weit weniger bekannt ist, dass Heinrich VIII. zeit seines Lebens erfolgreich zahlreiche Kriege geführt hat. Dass dies heute wenig Beachtung findet, liegt vor allem daran, dass seine militärischen Erfolge England langfristig keinen großen Nutzen brachten. Trotzdem verstand sich Heinrich VIII. zu seinen Lebzeiten selbst als erfolgreichen Kriegsherren und versuchte durch militärische Schachzüge England eine politische Vormachtstellung in Europa zu verschaffen.

Der detaillierte Atlas von Heinrich VIII., der als Original für das hochwertige Faksimile von WK Wertkontor aus Gütersloh dient, ist ein Zeugnis seines Versuchs, Englands Vormachtstellung auf See aufzubauen. Dies wird besonders daran deutlich, dass auf den Karten des Atlanten besonders die Küstenregionen detailliert beschriftet sind.

Als Heinrich VIII. 1509 den Thron bestieg, umfasste seine englische Flotte nur 15 Schiffe. 1539, drei Jahre vor der Entstehung der Vorlage für das Faksimile von WK Wertkontor, umfasste die englische Flotte bereits 45 Schiffe und 1545 dann 160 Schiffe. Aus diesem Grund gilt Heinrich VIII. als Gründungsvater der heutigen Royal Navy. Der Atlas der von Wertkontor aus Gütersloh gibt diese Präferenz des englischen Königs für die Seefahrt wieder: Mit feinen Linien sind auf der Weltkarte Schiffrouten um die ganze Welt eingezeichnet. Die kunstvolle Gestaltung und die Verwendung von Blattgold legen allerdings nahe, dass der Atlas niemals als Gebrauchsgegenstand für die Schifffahrt gedacht war. Wie das Faksimile von WK Wertkontor, war auch der Atlas vermutlich zeit seines Daseins nur ein reines Statussymbol, um die Weltgewandtheit und militärische Stärke seines Besitzers zu betonen.