Apr 25 2019

Nicht nur Bücher und Dokumente werden reproduziert: Grabtafel des Schriftstellers Thomas Bernhard durch Faksimile ersetzt

Bei den 14 Faksimiles, die der Luxusgütervertrieb WK Wertkontor GmbH aus Gütersloh verkauft, handelt es sich um reproduzierte Handschriften, Zeichensammlungen und Codices. Die Originalwerke wie zum Beispiel der „Rosenroman“ oder das „Höfische Duett“ sind viele Jahrhunderte alt. Sie entstanden in der Hauptsache zu Zeiten des Mittelalters, aber auch in der Frühen Neuzeit, und werden heute allesamt in namhaften Bibliotheken auf der ganzen Welt verwahrt. Aufgrund ihres Alters und ihres Werts sind sie hier meist unter Verschluss und somit für Interessenten nicht einsehbar.

Und genau an diesem Punkt setzen die faksimilierten Handschriften und Codices an, die WK Wertkontor bei den Kunden zu Hause vertreibt: Die in historischer und künstlerischer Hinsicht überaus wertvollen Schriften können nicht nur einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden, sondern noch dazu erworben werden, sodass Interessenten sie jederzeit griffbereit im heimischen Bücherregal aufbewahren können. Und das Beste daran: Sie gleichen ihren historischen Vorlagen zu 100 Prozent. Denn Faksimile ist Lateinisch und heißt übersetzt: „Mach es ähnlich“. „Ähnlich gemacht“ werden aber nicht nur die Eins-zu-Eins-Nachbildungen von Handschriften, Codices und Zeichensammlungen, sondern auch andere Objekte. Die Gründe hierfür sind teilweise unterschiedlich. Dies veranschaulicht ein aktuelles Beispiel aus unserem Nachbarland Österreich.

Faksimilierte Grabtafel erfüllt ästhetische Ansprüche und schützt vor Diebstahl

Viele kennen ihn: Den österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard. Bernhard, aus dessen Feder beispielsweise die Romane „Beton“, „Frost“ oder „Verstörung“ stammen, starb bereits in den 1980er-Jahren, genauer am 12. Februar 1989. Er wurde auf dem Grinzinger Friedhof in Wien beigesetzt. Anlässlich eines Grabbesuchs zu seinem 30. Todestag wurde nun publik, dass seine Grabtafel durch ein Faksimile aus Papier ersetzt worden ist. Und so kam es dazu:

Die letzte Ruhestätte Thomas Bernhards ist schlicht gehalten. Am Ende des mit Efeu bewachsenen Grabs befindet sich ausschließlich ein Kreuz. Das Kreuz trägt einen gläsernen Schrein, der sich mithilfe eines kleinen Metallknopfes öffnen lässt und in dessen Inneren sich ursprünglich eine bronzene Grabtafel mit den Namen der Personen, die hier beerdigt sind, befand: Thomas Bernhard, Hedwig Stavianicek und deren Ehemann Franz. Zwischen den Jahren 2001 und 2014 kam es zu einem Zwischenfall, im Zuge dessen Diebe den Schrein öffneten und die bronzene Tafel entwendeten. Bis heute sind sich Angehörige Bernhards unsicher, ob hinter dem Diebstahl ein Devotionalienkult um den bedeutenden Schriftsteller steht oder ob schlicht und ergreifend ein Buntmetallliebhaber hier sein Unwesen trieb. Wie dem auch sei: Die Tafel war und ist bis heute spurlos verschwunden.

Da sich Thomas Bernhards Angehörige vor dem wiederholten Entwenden einer neuen Grabtafel aus Bronze fürchteten, entschied man sich zunächst dazu, das einstige Täfelchen durch ein überaus einfaches Provisorium zu ersetzen: Ein Blatt Papier, das über die Namen und Lebensdaten der Verstorbenen sowie den Diebstahl der Originaltafel informierte, wurde mit Klebeband am Grabmal befestigt.

Zu einem späteren Zeitpunkt entschied man sich schließlich doch noch dazu, den provisorischen Klebezettel durch eine endgültigere Lösung zu ersetzen. Und zwar durch ein Faksimile. Dieses Faksimile ist zwar ebenfalls aus Papier gefertigt, bildet jedoch die Grabtafel eins zu eins ab. Rein optisch ist das neue Täfelchen also nicht vom Original zu unterschieden. Ähnlich also wie die faksimilierten Handschriften und Codices, die WK Wertkontor verkauft. Genau genommen handelt es sich bei dem Grabtafel-Faksimile um eine auf qualitativ hochwertiges, festes Papier gedruckte Farbkopie des Originals. Die faksimilierte Grabtafel stellt eine durchaus gelungene Lösung dar, die in jeder Hinsicht ihren Zweck erfüllt. Sie kommt nicht nur den ästhetischen Ansprüchen des Grabbesuchers entgegen, sondern schützt gleichzeitig auch vor einem erneuten Diebstahl.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.